Hubert von Goisern

Hubert von Goisern

GREEN BRANDS Austria Persönlichkeit 2020

Musiker


Informationen über die Arbeit von Hubert von Goisern finden Sie unter https://www.hubertvongoisern.com/

Er ist seit mehr als 30 Jahren auf den Bühnen der Welt unterwegs und begeistert sein Publikum mit seiner einzigartigen Musik: Hubert von Goisern. Als musikalischer Botschafter Österreichs, als Volksmusikerneuerer, als Entstauber, als Individualist – und zunehmend auch als Mahner für Umweltschutz und Mitmenschlichkeit.

Mit seiner ganz eigenen Mischung aus Rock, Jazz, Blues, Jodeln, Steirischer Ziehharmonika, diversen Blas- und Saiteninstrumenten und traditioneller Volksmusik hat er ein eigenes Genre geschaffen. Alpenrock, Alpin Grunge, Weltmusik, Volksrock – Hubert von Goisern passt in keine Schublade. Stattdessen fordert er sein Publikum heraus.

Manchmal rau, dunkel und rockig, manchmal langsam, leise, ja sogar romantisch, dann wieder mit stampfenden Beats und harten Gitarrenriffs – der Künstler überrascht seine Zuhörer immer aufs Neue mit seinen virtuosen Werken. In seine Musik fließt ein, was er als Reisender, als auf die Welt neugieriger Mensch, als Musiker erlebt hat.

Hubert Achleitner, wie von Goisern eigentlich heißt, wurde 1952 geboren. Mit fünf Jahren erklärte er seinen Eltern, er wolle Dirigent werden. Mit 12 Jahren trat er der örtlichen Blaskapelle bei. Dort bekam er als Leihgabe sein erstes Instrument – eine Trompete – und kostenlosen Unterricht.
Allerdings war die Mitgliedschaft in der Kapelle nur von kurzer Dauer. Der damals langhaarige Querulant beklagte das redundante Repertoire und die fehlende Modernität. Der Rauswurf folgte.
Ohne die Leihtrompete griff der junge Musiker als nächstes zur Gitarre und brachte sich das Spielen selbst bei. Ihn inspirierten Künstler wie Jimmy Hendrix, John McLaughlin oder Miles Davis. Bald gründete er seine erste Band und begann, selbst zu komponieren. Der Grundstein für seine spätere Karriere als Liedermacher war gelegt.

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Doch Österreich war ihm früh zu eng. Nachdem er mit zwölf Jahren einen Globus geschenkt bekommen hatte, stellte sich Hubert von Goisern vor, wie es hier und dort wohl riechen würde. Ihn faszinierte die weite Welt, das Andere. So zog es ihn mit Anfang zwanzig fort.

Hubert von Goisern wanderte nach Südafrika aus, wo er vier Jahre lang als Chemielaborant arbeitete. Anschließend zog er nach Kanada, wo er drei Jahre blieb und in Toronto Flamencogitarre studierte. Auf der Heimreise nach Österreich verbrachte der Weltenbummler sechs Monate bei Kopfgeldjägern auf den Philippinen, lernte ihre Lieder und die einheimische Nasenflöte spielen.

Nach seiner Rückkehr studierte von Goisern Elektroakustik und experimentelle Musik an der Wiener Musikhochschule. Er entdeckte die Ziehharmonika wieder, die er viele Jahre zuvor von seinem Großvater geschenkt bekommen hatte. Für ihn war sie der Inbegriff des ewig Gestrigen. Doch entwickelte von Goisern eine neue Spielweise und schuf damit eine weitere Grundlage seines einzigartigen Stils.

1986 lernte er den Musiker Wolfgang Staribacher kennen, mit dem er gemeinsam als die Alpinkatzen auftrat. Während eines Straßenmusikauftritts in der Wiener Innenstadt wurde er von einem Manager der Plattenfirma CBS angesprochen, der ihm auf der Stelle einen Vertrag anbot. 1988 veröffentlichten die Alpinkatzen ihre erste Schallplatte „Alpine Lawine“.

Drei Jahre später trennte sich das Duo und von Goisern fand in Oberösterreich neue Musiker für seine Band. 1992 veröffentlichten die Alpinkatzen das Album „Aufgeigen stått niederschiassen“. Von da an ging es musikalisch steil bergauf: Hitparaden, mehrere Alben, Touren durch ganz Europa und bis in die USA. Mehrfach wurde von Goisern mit dem Amadeus Austrian Music Award ausgezeichnet, dem wichtigsten österreichischen Musikpreis. Im Laufe seiner Karriere ging er auf viele Tourneen mit über 1.000 Konzerten. So spielte er auch im ägyptischen Assiut oder auf den Kapverden auf großen Open Airs.
2007 und 2008 tourte Hubert von Goisern auf seiner legendären Linz-Europa-Tournee auf einem zur Konzertbühne umgebauten Schiff durch elf Länder. Über mehrere Flüsse schipperte er quer durch Europa bis zum Schwarzen Meer und zur Nordsee und spielte insgesamt 57 Konzerte.

Sein Künstlername sei, so sagt er selbst, ein später Racheakt an der kleingeistigen Engstirnigkeit seiner Heimat, dem oberösterreichischen Kurort Bad Goisern im Salzkammergut. Den Kindern des Ortes sei stets eingetrichtert worden, leise zu sein, um die Kurgäste nicht zu stören. Auch gefiel den Ortsvätern nicht, wie er die Volksmusik neu interpretierte. Inzwischen sind die Kritiker ob seines weltweiten Erfolgs verstummt.

Hubert von Goisern hat nie das gemacht, was von ihm erwartet wurde, und war damit konsequent erfolgreich. Von den Anfängen als Alpenrocker mit dem „Hiatamadl“ bis zum bahnbrechenden Erfolg 2011 von „Brenna tuats guat“. Die Single stand fünf Wochen an der Spitze der österreichischen Single-Charts und wurde mit Platin ausgezeichnet. 2013 erhielt der Musiker den Ehren-Amadeus für genre- und völkerverbindende Musik.
Doch von Goisern probierte sich auch in anderen Genres aus. Er entwarf Mode, gab sein Schauspieldebüt an der Seite von Martina Gedeck im TV-Film „Hölleisengretl“ und komponierte die Filmmusik für Joseph Vilsmaiers Kinofilm „Schlafes Bruder“.

Er ist ein Entdecker, ein Neugieriger, ein Welterklärer, immer auf der Suche nach dem Verbindenden im Fremden. Der Musiker bereiste Tibet, traf den Dalai Lama. Das Resultat: Sein Album „Inexil“ gemeinsam mit Künstlern des Tibetischen Instituts für Darstellende Künste. Er reiste 1997 auf Einladung der Schimpansenforscherin Jane Goodall nach Ostafrika und produziert ein Jahr später die Dokumentation „Von Goisern nach Gombe“. Den Soundtrack zum Film schrieb er selbst.

In der Doku „Gegen die Stille“ begibt er sich auf die Spuren der grönländischen Volkskultur. Für die Ausstellung „Alpenliebe“ auf dem Großglockner gestaltet er eine interaktive musikalische Reise durch die Alpen. 2015 kommt Marcus H. Rosenmüllers „Brenna tuat’s schon lang“ in die Kinos, eine Doku über Hubert von Goiserns Leben und Schaffen, seine Reisen, sein Auflehnen, sein Nein-Sagen. Ein Jahr später erhält der Film den österreichischen Film- und Fernsehpreis Romy als Beste Kino-Doku.

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Auch als Autor ist Hubert von Goisern inzwischen erfolgreich. Im Mai 2020 erschien sein erster Roman. „Flüchtig“ erzählt die Geschichte einer gescheiterten Ehe. Nach 30 Jahren Nebeneinanderher- Leben bricht die Ehefrau aus und macht sich überstürzt auf eine Reise in den Süden mit ungewissem Ausgang. „Eine elegante Erzählung in klaren Worten, ein lebenskluger Pageturner“, urteilt „Der Standard“ über den Erstlingsroman des Musikers.

Wie in seiner Musik streift auch sein Buch aktuelle Themen, die ihn umtreiben. Die Nazizeit oder der aktuelle Rechtspopulismus weltweit bewegen ihn ebenso wie fehlende soziale Gerechtigkeit oder die zunehmende Globalisierung auf Kosten regionaler und lokaler Anbieter.
Seit 2015 engagiert sich der zweifache Vater für die Grünen und unterstützt sie im Wahlkampf. „Ich unterstütze die Grünen, weil sie meine Werte vertreten und weil es diese Farbe in unserer politischen Landschaft braucht, jetzt mehr denn je zuvor“, begründet von Goisern sein Engagement.

Nicht nur in seiner Musik spielt Regionalität eine große Rolle. Er plädiert dafür, die regionale und lokale Wirtschaft zu unterstützen – dies schütze die Umwelt durch kurze Wege und weniger Abgase und biete kleinen regionalen Herstellern die Möglichkeit, gegen große kostengünstigere Anbieter zu bestehen.
Er legt den Finger in die Wunde. In seinem Werk liegt hierin das Erfolgsgeheimnis des Hubert von Goisern. Mit „Brenna tuats guat“ schaffte er es im Jahr 2011 nicht nur an die Spitze der österreichischen Charts, sondern schuf auch die Hymne für ein kritisch-hinterfragendes Publikum, das sich um die Umwelt und seine Mitmenschen schert. Auch seine aktuelle Single „A Tag wie heut“ hat eine eindringliche Botschaft: Egal welche Hautfarbe, Konfession oder politische Einstellung jemand hat – letztlich sind wir alle gleich. Der Song gehört zu seinem ersten Studioalbum nach mehreren Jahren Bühnenabstinenz. Mit „Zeiten & Zeichen“ meldet sich von Goisern damit im Jahr 2020 kraftvoll und kritisch zurück.

Immer hochpolitisch und brandaktuell ist Hubert von Goisern auch mit 67 Jahren am Puls der Zeit. Er rüttelt die Menschen wach, kritisiert, ohne maßregelnd zu sein. So regt er zum Nachdenken und Handeln an.
Für sein Engagement für den Umweltschutz und eine bessere friedlichere Welt wird Hubert von Goisern als „GREEN BRAND Austria Persönlichkeit 2020“ ausgezeichnet.

Bildnachweis  © Stefan Wascher, Helmut Berg, Jürgen Skarwan