Sepp Eisenriegler

Sepp Eisenriegler

GREEN BRANDS Austria Persönlichkeit 2014

Sozialökonom, Umweltberater und Vorreiter der österreichischen Obsoleszenz-Debatte


Informationen über die Arbeit von Sepp Eisenriegler finden Sie unter https://rusz.at/

Reparieren statt Wegwerfen. Unter diesem Motto hat er in den letzten 20 Jahren nicht nur Bürger dazu gebracht, über die Instandsetzung ihrer kaputten Elektrogeräte nachzudenken.

Sondern er hat auch mehr als 400 Menschen eine neue Chance am Arbeitsmarkt gegeben: Langzeitarbeitslosen und Behinderten, die in seinem Wiener „Reparatur- und Service-Zentrum“, kurz R.U.S.Z. wieder eine Aufgabe gefunden haben.

Sozialökonom, Umweltberater und Menschfreund: Sepp Eisenriegler ist einer, dem die Erde, ihre begrenzten Ressourcen und die Menschen am Herzen liegen. Einer der sich einmischt.

Ein Social – und Environmental Entrepreneur, der sich traut, auch unbequeme Wahrheiten öffentlich auszusprechen. Und gleich darauf initiativ wird, um dagegen anzukämpfen.

Als Vorreiter der Österreichischen Obsoleszenz-Debatte kämpft er dafür, Elektroschrott zu vermeiden und lieber selbst zum Schraubenschlüssel zu greifen, um in die Jahre gekommene kaputte Geräte zu reparieren statt auf den Müll zu werfen.

Obsoleszenz zeigt sich auf vielerlei Arten, sagt Eisenriegler. Die technische Obsoleszenz geht auf die Nutzung billiger Materialien zurück. Geplante Obsoleszenz führt durch Sollbruchstellen oder Zählwerke dazu, dass Geräte nach einer bestimmten Zeit kaputt gehen. Drucker verlangen beispielsweise nach neuem Toner, obwohl der noch gar nicht nötig sei.

Und das neueste Phänomen: psychologische Obsoleszenz, die sich vor allem in der Unterhaltungsindustrie zeigt. Jedes Jahr ein neues Handy – da ist das alte dann überflüssig, obsolet.

Dieser Trick der Industrie verursacht allein in Österreich einen volkswirtschaftlichen Schaden von 13 Milliarden Euro. Vom Schaden, den die Umwelt davon trägt, ganz zu schweigen.

Unser Ressourcenverbrauch hat sich in den letzten dreißig Jahren nahezu verdoppelt. Die Elektroschrottmengen in der EU sind sogar um das Vierfache gestiegen. Österreich steht bei der Verursachung von Elektroabfall weit vorn: Jeder Österreicher produziert jährlich 25 Kilogramm davon. Eisenriegler schiebt dieser Entwicklung buchstäblich einen Riegel vor: in seinem Reparaturzentrum in Wien erwachen ausrangierte Elektrogeräte wieder zu neuem Leben. Mehr als 15.000 Tonnen Abfall und Unmengen an Treibhausgasen hat er in den letzten fast zwanzig Jahren damit vermeiden können.

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Vor mehr als 25 Jahren war Eisenriegler maßgeblich an der Gründung der Umweltberatung Wien beteiligt. Doch auch wenn er damals viel über das Thema Abfallvermeidung sprach, konnte er nicht viel bewirken. Darum rief er 1998 das „Reparatur- und Service-Zentrum“ in Wien-Penzing ins Leben.

In den ersten zehn Jahren war das R.U.S.Z: ein sozialintegrativer Betrieb. Als geförderter Betrieb zur Reintegration Langzeitarbeitsloser und Behinderter bildete er sie zu Reparatur-und Recyclingtechnikern aus, die defekte Elektrogeräte wieder einsatzfähig machten. Mehr als 300 von ihnen konnten in unbefristete Jobs vermittelt werden.

Nach der nicht ganz freiwilligen Privatisierung beschäftigt der Mechatroniker-Fachbetrieb R.U.S.Z. GmbH heute 20 Mitarbeiter, die den Weg von der Langzeitarbeitslosigkeit zu begehrten Spitzentechnikern geschafft haben. Sie reparieren Elektro- und Eletronikgeräte aller Marken, entwickeln Methoden zur Erhöhung der Energieeffizienz alter Waschmaschinen und helfen technisch Interessierten beim Instandsetzen eigener Geräte im Reparatur-Café. Mehr als 8.000 Kunden nehmen den Reparaturservice jährlich in Anspruch – und es werden täglich mehr.

Ganz nebenbei hat Eisenrieglers Engagement einen landesweiten Medien-Hype ausgelöst. Mehr als 250 Zeitungsartikel und TV-Sendungen sind dank seines Engagements bislang veröffentlicht worden. Nach seinem ersten flammenden Artikel im auflagenstarken Umweltmagazin „LebensArt“ hat die Obsolenz-Debatte ihren Weg in den Mainstream geschafft und viele Menschen zum Nachdenken und Nachmachen angeregt.

GREEN BRAND Austria Persönlichkeit 2014 Geplante Obsoleszenz ist aus Eisenrieglers Sicht jedoch erst die Spitze des Eisbergs. Die große Herausforderung sieht der Sozialökonom vielmehr in der Mithilfe zur Anpassung unseres Wirtschaftssystems, das auf Profitmaximierung ausgerichtet ist. Immer kurzlebigere Produkte gelangen auf den Markt, durch deren Herstellung Unmengen an Ressourcen verschwendet werden.

Statussymbole geben vielen Bürgern das Gefühl, dazuzugehören. Dabei werde vergessen, dass die Verknappung der Rohstoffe immer weiter voran schreitet und wir somit ohne Rücksicht auf kommende Generationen agieren. „Der siebte Kontinent im Pazifik, bestehend aus Kunststoffabfällen ist ebenso wenig wegzudiskutieren wie der durch das Verhalten der Menschheit verursachte Klimawandel“, so Eisenriegler.

Um das Bewusstsein um die Ressourcenschonung voran zu treiben, hat Eisenriegler zahlreiche weitere Projekte ins Leben gerufen. Im „ReparaturNetzWerk“ in Wien sind inzwischen mehr als 60 Betriebe beteiligt. Sozialintegrative Unternehmen des ganzen Landes haben sich zusammen getan, um nach dem Vorbild des R.U.S.Z. auch in anderen österreichischen Städten Reparatur- und Re-Use-Netzwerke einzurichten.

So entstand das bundesweite „RepaNet“. Doch damit nicht genug: auch auf europäischer Ebene ist Sepp Eisenriegler aktiv. Als Gründungsmitglied und Präsident des Europäischen Dachverbandes sozialwirtschaftlicher Betriebe, kurz RREUSE, treibt er die Weiter- und Wiederverwendungsbewegung auf internationaler Ebene maßgeblich voran.

So wurde auf EU-Ebene erreicht, dass Reparatur und Wiederverwendung als wichtige Maßnahmen zur Abfallvermeidung festgeschrieben wurden. EU-Mitgliedsstaaten sind zudem aufgefordert, Reparaturnetzwerke in ihren Ländern zu fördern.

Eisenriegler unterstützt auch die Idee der „Repair Cafés“, die inzwischen in ganz Europa und sogar weltweit betrieben werden. Sepp Eisenriegler nimmt kein Blatt vor den Mund. Er erklärt offen und für jeden verständlich, warum und wie wir Ressourcen schonen müssen: „Es kann doch nicht sein, dass internationale Konsortien in den Ländern des Südens Rohstoffe ausbeuten, die dann in Schwellenländern unter menschenunwürdigen Bedingungen zu Produkten verarbeitet werden, die wir im Norden billig kaufen und nach kurzen Nutzungszyklen wegschmeißen“, so Eisenriegler. „Manche Abfälle landen dann dort, wo die Rohstoffe herkommen und im Falle von Elektroschrott in Ghana die Gesundheit der dort lebenden Bevölkerung gefährden.

Von den ökologischen Auswirkungen einmal abgesehen.“Während eine Waschmaschine 1998 noch durchschnittlich 12 Jahren ihren Dienst tat, sind es heute nicht mehr als sechs Jahre. Eisenrieglers Tipp: Lieber in teurere und damit solidere Produkte investieren, denn „pro 100 Euro funktioniert eine Waschmaschine ein Jahr “. Länger nutzen statt öfter kaufen.

Reparieren statt Verschrotten. Auch mit 60 Jahren denkt Eisenriegler noch lange nicht ans Aufhören. Stattdessen entstehen immer wieder neue Ideen, um der Ressourcenverschwendung effektiv entgegen zu wirken. „Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz werden oft als Verkaufsargument missbraucht“, mahnt Eisenriegler. „Wer weiß denn schon, dass über die Hälfte der negativen Umweltauswirkungen im Leben einer Waschmaschine schon passiert sind, bevor sie das erste Mal in Betrieb genommen wird“. Ressourceneffizienz ist daher die große Schraube, an der nach seiner Überzeugung gedreht werden muss.

Mit dem Waschmaschinen-Tuning hat er in seinem R.U.S.Z. ein Angebot geschaffen, das gute Altmaschinen wieder flott macht und technisch aufmotzt, so dass sie gleichzeitig weniger Strom und Wasser verbrauchen. Hiermit beweist Eisenriegler, dass Energie- und Ressourceneffizienz kein Widerspruch sein müssen. „Es ist ethisch nicht vertretbar, dass wir in den sogenannten entwickelten Ländern auf Kosten der Sepp Eisenriegler nächsten Generationen unserem Konsumwahn nachgeben und uns gleichzeitig immer weiter von einem guten Leben entfernen“. Für sein Engagement wurde der Sozialunternehmer bereits vielfach prämiert. Er ist Preisträger des Energy Global Austria Award, des Österreichischer Klimaschutzpreises, des Umweltpreises der Stadt Wien, des Innovationspreises „Ideen gegen Armut“ und des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien.

Nun kommt eine weitere Auszeichnung hinzu: Für seinen unermüdlichen Einsatz gegen Ressourcenverschwendung wird Sepp Eisenriegler zur „GREEN BRAND Austria Persönlichkeit 2014“ gekürt.